Törnberichte in dieser und jener Form



Elba & Korsika -  September 2016

Dieses Video haben wir als Dankeschön von einem sehr netten Gast geschenkt bekommen und wollen es Ihnen nicht vorenthalten. Es vermittelt sehr schöne Eindrücke von einem Törn ab Elba über Capraia und rund Korsika. Viel Vergnügen!


Elba & Korsika - MCO Genusstörn 2015

CLEMENS STECHER VON MCO SAILING HAT UNS NETTERWEISE SEINEN TÖRNBERICHT ZUR VERFÜGUNG GESTELLT. VIELEN DANK DAFÜR!

29.08.2015:  Anreise, Bootsübernahme.

An diesem Tag erfolgt die Anreise aller Crewmitglieder nach Portoferraio auf Elba. Zum Teil per Zug, zum Teil per Auto oder manche per Flugzeug (aus Oslo!!) kommen unsere Segelfreunde zum Törn, den wir gemeinsam mit unseren Freunden aus Bayern (Martin Scheungraber und seine GirlsCrew) durchführen. Super, dass wir alle gut und rechtzeitig zur Bootsübernahme auf der Buechi-Yachting-Basis eintreffen. Vom verspäteten Koffer (Al Italia) reden wir jetzt mal einfach nicht.

Eine Silbermöwe begrüßt uns auf Elba.

Eine Silbermöwe begrüßt uns auf Elba.

Hafeneinfahrt von Portoferraio.

Hafeneinfahrt von Portoferraio.

Wie schon gewohnt, ist die Bootseinführung von Carolin Thum (Buechi-Yachting) ein echter Genuss. Wer so viel wie wir chartert, weiß, wie schlecht und oberflächlich (Hauptsache schnell) das von den meisten Charterbasen durchgeführt wird. Nicht so bei Buechi auf Elba: Carolin steht die Anstrengung ins Gesicht geschrieben und trotzdem nimmt sie sich für jedes Boot die Zeit, eine sehr ausführliche und liebevolle Einführung in das jeweilige Schiff zu bieten. Du spürst als Skipper, mit wie viel Liebe zum Detail Carolin das macht. Auch die Schiffe sind in einem 1A – Zustand. Selten sehen wir Segelyachten, die trotz teils fortgeschrittenen Alters dermaßen perfekt (!) gepflegt und in Schuss gehalten sind.  An dieser Stelle machen wir der Crew von Buechi-Yachting (im Speziellen Carolin und Patrice) ein ehrlich gemeintes Kompliment.

(Das Service geht sogar soweit, dass der liebe Patrice uns am nächsten Tag den verloren gegangenen Koffer sogar per „Speedboat“ in die nächste Bucht nachliefert. Das ist nicht nur Service, das ist echte Mühe und geht weit über den üblichen Rahmen hinaus.)

Was für ein Vollmond

Was für ein Vollmond.

…ohne Worte.

...ohne Worte.

30.08.2015:  Training, Sicherheit, Genuss! 

Von Manövertrainings, Sicherheitseinweisungen und Spaß am Segeln bis hin zu ersten Tauchgängen im wunderbar klaren Wasser vor Elbas Nordküste.

Heute starten wir mit einer Ehrenrunde durch den pittoresken Hafen von Portoferraio. Gestern Abend noch flanierten wir, das Eis in der Hand, vorbei an der einen oder anderen Megayacht durch die Gassen. Heute sehen wir die Szenerie aus einer anderen Perspektive. Die Runde durch den Hafen erlaubt tolle Aufnahmen und alle Fotoapparate und Handys sind gezückt.

Und dann geht´s auch schon raus auf die offene See. Ein leichter Wind lädt direkt zu ersten Segelversuchen mit unserer Crew ein. Zwei von uns haben noch gar keine Segelerfahrung: Aber umso toller, wie schnell sich Hubert und Bettina in die Thematik einarbeiten und schon nach einigen Stunden die wichtigsten Grundbegriffe intus haben. Von Null auf Hundert in 5 Stunden… Gratulation.

Wie schon im Text zum vorigen Tag beschrieben, bleiben wir heute in der Nähe, um Patrice die Koffernachlieferung nicht unnötig zu erschweren. Die Mannschaft genießt das unbeschwerte Bade- und Schnorchelvergnügen genau dort, wo vor 2 Jahrhunderten die Schwester Napoleons kurz gefangen gehalten worden ist – auf der kleinen Insel Paolina.

In der Gruppe macht das Herumalbern im 27° warmen Wasser offensichtlich noch mehr Vergnügen. An dieser Stelle wird großzügig verschwiegen, wie viel Kind in uns allen doch steckt: Da wird gesprungen, werden Salti geschlagen, da wird um die Wette getaucht und gelacht…und da hinten?“! Sind das zarte Flirtversuche in der 16-köpfigen Crew? Schwer zu sagen, aber der Verdacht liegt nahe…

Unbeschwertes Badevergnügen inklusive!

Unbeschwertes Badevergnügen inklusive!

Bildschirmfoto 2015-09-08 um 12.07.34

Bildschirmfoto 2015-09-08 um 12.06.49

So soll´s doch sein: Sonne, Urlaub, nette Leute…Unbeschwertheit! Ein echter Genusstörn halt.

Die Nacht verbringen wir sehr ruhig vor Anker, genießen aber vorher im Fischrestaurant an der Küste noch den äußerst delikaten Petersfisch und sind einfach zufrieden und glücklich…

31.08.2015: Der Schlag von Elba nach Capraia:  Blister und Segelvergnügen pur!

Vorwindkurs, Vorsegel runter, Blister raus aus dem Vorpiek…und breites Grinsen einschalten. Das sind die Zutaten und Anweisungen für den Schlag von Elba an die Südostküste von Capraia. Ich kann nur sagen: Der Tag gelingt, Blister und Wind machen einen guten Job und der gekühlte Weißwein schmeckt noch besser als üblich. Unser Ziel für heute: Der kleine Hafen auf der ehemaligen Gefängnisinsel Capraia; heute Nationalpark und marinbiologisches Sonderschutzgebiet.

Segelvergnügen pur!

Segelvergnügen pur!Bildschirmfoto 2015-09-08 um 12.04.46

Bist du schon mal von Elba nach Korsika gesegelt? Hast du dich auch auf einem „Hart-am-Wind-Kurs“ nach Nordwesten gekämpft? Den Mistral genau auf die Schnauze? So schaut´s hier üblicher Weise aus; aber nicht heute: Leichter, stetiger Südostwind und ruhige See sind Anlass genug, das große Tuch herauszuholen. Die Crew ist sich noch nicht ganz sicher, wie das mit dem Riesending funktionieren soll. Als dann aber die 160m2 leichten Segeltuchs als großer bunter Ballon vor dem Boot schweben und uns elegant über die Wellen gleiten lassen, macht sich ein breites Grinsen auf den Gesichtern breit. Wow – so schön, so leicht kann Segeln sein. Keine Schräglage, kaum scheinbarer Wind – und schon wandern die Gedanken in Richtung Kühlschrank. Da haben wir doch ein Fläschchen von dem legendären Korsischen Weißwein eingebunkert; Das wär doch ein guter Moment dafür, oder? Ja – tatsächlich: Kaum ein Moment kann dafür geeigneter sein, als die 2 Stunden Blistersegeln von Elba nach Capraia.

Dann noch ein Kurzbesuch in einer der Buchten an der Ostküste Capraias, schnorcheln mit Brassen, die noch nicht mal wissen, dass Menschen auch gefährlich sein können und daher nicht blitzartig in allen Ritzen zwischen den Vulkansteinen am Meeresgrund verschwinden, eine gute Jause aus korsischem Hartkäse und Weintrauben…und dann wieder Anker auf in Richtung Norden zur kleinen Hafenstadt der Insel.

Der Tag hat sich wirklich gelohnt. Der Hafen ist nur schwach gefüllt, die Stimmung sehr relaxt, die Marineros ruhig und zufrieden; genau, wie wir: a bissl müde, aber sehr (!) zufrieden mit dem heutigen Tag suchen und finden wir unser Lieblingsrestaurant und lassen uns kulinarisch verwöhnen – „Carpe Diem!“

01.09.2015: Capraia, Kap Corse, St. Florent.

Sportliches Segeln, gute Winde, Pannenhilfe am Kap Corse und wunderschöne Buchten auf  Korsikas Westküste. Ein Tag voller seglerischer und landschaftlicher Highlights.

Wir verlassen Capraia und steuern direkt auf Kap Corse zu. Der „Zeigefinger “ im Norden Korsikas ist sehr exponiert und daher sind die Verhältnisse dort manches Mal ein wenig fordernd. Heute aber nicht: Wir segeln bei gutem Halbwindkurs auf direktem Weg von Capraia nach Kap Corse. Dort angekommen helfen wir einer italienischen Yacht dabei, ihren im felsigen Untergrund verkeilten Anker frei zu kriegen. Mit viel Fingerspitzengefühl und professionellem Einsatz meistert Mac am Steuer die Situation, wir ziehen rückwärts arbeitend den Anker der hilflos fest sitzenden Yacht aus dem Felsboden und gehen dann für die Dauer eines kleinen Imbisses selbst vor Anker. Der Untergrund ist ein buntes Mosaik an verschiedenen Bodentypen: Sand, Fels und Seegraswiesen wechseln einander ab. Wir  – als versierte Biologen – ankern natürlich auf Sandgrund, um den sensiblen Lebensraum der Seegraswiesen nicht zu beschädigen.

Danach geht´s – leider unter Motor – weiter bis in die Nähe von St. Florent (20 NM) südlich von Kap Corse. Dort gehen wir in einer der schönsten Buchten ever vor Anker und genießen hellblaues, warmes  Wasser, Sandstrand und eine reichhaltige Unterwasserwelt (Flundern, Brassen und Rochen).

Das macht Lust auf mehr. Ein Ankerplatz zum Träumen.Das macht Lust auf mehr. Ein Ankerplatz zum Träumen.

Die Kalkgebirge Korsikas - eine wunderbare Szenerie am Ankerplatz.

Die Kalkgebirge Korsikas – eine wunderbare Szenerie am Ankerplatz.

Leider erreicht uns dann eine „Galewarning“ (Sturmwarnung) des hiesigen Wetterdienstes und wir können die Nacht nicht hier verbringen. Wohl oder übel verlassen wir unser kleines Paradies und verholen uns – um´s nächste Kap herum – in eine Wind- und Wellengeschützte Bucht, ganz in der Nähe von St. Florent.

...und einmal mehr: Ein wunderbarer Sonnenuntergang an Korsikas Westküste.

…und einmal mehr: Ein wunderbarer Sonnenuntergang an Korsikas Westküste.

Dort verbringen wir (mit Ankerwache) eine sehr ruhige, beschauliche Nacht. Am Morgen sehen wir schon von weitem, wie unruhig die See außerhalb des geschützten Bereiches jetzt aufgewühlt große Wellen schlägt. Für unsere Genusstörn- Urlaubscrew war die Entscheidung, die exponierte Traumbucht gestern abends noch zu verlassen und einen ruhigen Ankerplatz zu suchen, goldrichtig. A bissl mühsam zwar, aber richtig.

02.09.2015: Café au lait in  St. Florent.

Draußen auf der See bläst ein 8er-Wind. Im Hafenkaffee von St. Florent ist´s ein laues Lüftchen. So werden 33°C gut erträglich.

Heute machen wir das wunderschön romantisch-ruhig gelegene Städtchen St. Florent unsicher. Alle sind zufrieden und tauchen in die französische Leichtigkeit ein, nehmen ein Croissant und Café au lait zum Frühstück und lehnen sich entspannt zurück. Danach stehen Flanieren, Shoppen und a bissl Zeit für sich selbst auf dem Programm. Ich  sitze zum Beispiel im Kaffee und schreibe diese Zeilen hier.

Später kaufen wir uns echte Boules und vertreiben uns die Zeit ganz nach der Manier der Einheimischen: Unbeschwertes Spielen mit bunten oder metallischen Kugeln.

Boccia oder Boules - in dieser Gegend weit verbreitet.Boccia oder Boules – in dieser Gegend weit verbreitet.

Vor allem die ältere Generation spielt regelmäßig.

Vor allem die ältere Generation spielt regelmäßig.

Die ganze Zeit weht hier in den Gassen von St. Florent ein laues feines Lüftchen – der Segler weiß: Das feine, kühlende Windchen in der Stadt ist der Bruder des Sturmes auf offener See. Ich denke, wir haben der Crew mit der Entscheidung für einen Landtag, einen Gefallen getan. Ein Blick in die zufriedenen grinsenden Gesichter bestätigt meine Meinung. Also – alles gut hier in Korsika.

03.09. 2015: St.Florent – Kap Corse, Capraia

Noch wissen wir nicht, wie gut sich der Tag entwickeln wird. Aber der Anfang ist schon mal gut: Im Café Europa am Stadtplatz von St. Florent schmecken Café, Croissant & Co noch einmal besser! Oder liegt der Eindruck an der guten Stimmung, dem netten Ort, der netten Gesellschaft…

 Aber Eins nach dem Anderen:

Es fehlt noch ein Gedanken zum gestrigen Abend. Wie es der Zufall wollte, durften wir in der Basilika von St. Florent ein Konzert des berühmten Korsischen A Capella Quartetts „Barbara Furtuna“ (http://www.barbara-furtuna.fr/site.php?page=1&lang=DE;https://www.facebook.com/BarbaraFurtunaPageOfficielle) genießen.

Die 4 Stimmen schlugen in unglaublicher Harmonie und Reinheit einen Bogen von mittelalterlichen, psalmähnlichen Stücken über Bearbeitungen korsischer Volkslieder zu eher volkstümlichen Melodien mit – und das war zumindest für mich überraschend und wunderschön zugleich – deutlich arabischen Melodie- und Formenelementen. Was für ein Abend!! Das Publikum war hin-, her- und mitgerissen. Die 4 Künstler spielten nicht nur gekonnt mit Harmonien, sondern auch mit den Emotionen der Zuhörer/innen. Keinen hielt es nach der 4. Zugabe auf dem Stuhl; die Stimmung war derart durchsetzt von Begeisterung, Stolz und Freude, dass sitzen einfach nicht mehr genug Platz für die Emotionen bot. Dieses Erlebnis betrachte ich im Nachhinein als ein ganz besonderes Geschenk des Schicksals für uns.

Jetzt aber zum heutigen Tag:

Der Blister steht wie eine wunderbar bunter Ballon in der Abendsonne, vor uns liegt Capraias Westküste, die für diese fortgeschrittene Jahreszeit noch außergewöhnlich grün leuchtet, aus den Lautsprechern tönt chilliger Sound – alles perfekt. Nach einem vergleichsweise unspektakulären Tag, der uns von St. Florent über Kap Corse bis kurz vor Capraia geführt hat, lassen wir uns zufrieden mit uns, dem Schiff, dem Leben…nach Osten treiben. Jeder genießt auf ihre/seine Art. Manche Augen träumen weit in die Ferne, vielleicht von zukünftigen Segelreisen, manche verschlingen einen Roman, andere haben den Kompass bzw. die restlichen Navigationsgeräte im Blick. Die Stimmung ist unglaublich friedlich, das Timing perfekt.

Wir begleiten die Sonnen auf ihrem Weg hinter den Horizont und laufen gelassen in den einzigen Hafen Capraias ein. Die Manöver funktionieren perfekt, alles verläuft ruhig und konzentriert. Eine halbe Stunde später lassen wir uns den für diese Gegend typischen leichten Weißwein schmecken.

Ein Dank an das Schicksal für diesen Tag.

04.09. 2015:  Capraia –> Portoferraio

Dieser Tag bildet den Abschluss des heurigen Genusstörns im Revier Elba & Korsika. Er verläuft unspektakulär und maximal entspannt. 

Um 11.00 Uhr starten nach einem echten Genussfrühstück im Hafen von Capraia in Richtung Elba. Alles läuft gut, am Halbwindkurs schießen wir – für unser Gefühl viel zu schnell – auf Elba zu.

Dort treffen wir wieder unsere Partneryacht mit Martin Scheungraber, tauchen nochmal ins klare Wasser und setzen dann nach Portoferraio über. Hier zeigt Christiane ihr Talent als Steuerfrau: Perfekt bugsiert sie unsere (nicht kleine) Yacht zwischen den etlichen anderen Charterern zur Tankstelle. Nach der Yachtübergabe an Buechi-Yachting lassen wir uns noch ein letztes Mal in einem der Hafenrestaurants mit Elba-Spezialitäten verwöhnen, nehmen einen „Absacker“ und fallen dann müde in die Kojen.

Es war wunderbar, es hat uns sehr gefreut! Danke an die Crew  – ihr wart super!!!

Euer Team von MCO-Sailing:

Mac, Clemens…und der Ozean!

2. SEPTEMBER 2015 - VERFASST VON CLEMENS STECHER